
Protein oder Kollagen
“Die beste Lösung ist oft eine Kombination: Kollagen für Struktur, Protein für Kraft”
Kollagen oder Protein – was steckt wirklich dahinter?
Immer mehr Menschen greifen zu Kollagenpulver, um Haut, Gelenke und Bindegewebe zu stärken. Gleichzeitig sind klassische Proteinpulver längst fester Bestandteil vieler Ernährungspläne. Doch was unterscheidet die beiden genau – und wann ist welches Produkt sinnvoll?
1. Unterschied in der Zusammensetzung
Proteinpräparate wie Whey (Molkeprotein), Soja- oder Erbsenprotein bestehen aus vollständigen Eiweissen. Das bedeutet, sie enthalten alle neun essentiellen Aminosäuren, die der Körper selbst nicht bilden kann.
Diese Aminosäuren werden für den Aufbau von Muskeln, Enzymen, Hormonen und Immunzellen benötigt. Deshalb sind solche Proteine besonders wichtig bei Sport, Stress, Krankheit oder im Alter, wenn der Eiweissbedarf steigt.
Kollagenpräparate dagegen liefern vor allem die Aminosäuren Glycin, Prolin, Hydroxyprolin und Alanin. Diese sind die Hauptbestandteile des körpereigenen Kollagens, das als „Gerüstprotein“ Haut, Sehnen, Bindegewebe und Knorpel zusammenhält.
Kollagen enthält allerdings nur wenige essentielle Aminosäuren und gilt deshalb nicht als vollständiges Eiweiss.
Fazit:
Kollagen liefert Spezialbausteine für Bindegewebe, während Proteinpräparate den gesamten Stoffwechsel und Muskelaufbau versorgen.
2. Die wichtigsten Kollagentypen im Körper
Kollagen ist nicht gleich Kollagen. Es gibt über 20 verschiedene Typen im menschlichen Körper, doch nur vier davon spielen im Alltag eine zentrale Rolle:
Kollagentyp Hauptvorkommen Funktion / Wirkung
Typ I Haut, Knochen, Sehnen, Zahnbein Verleiht Stabilität und Zugfestigkeit, wichtig für Hautstraffung und feste Sehnen
Typ II Knorpel, Bandscheiben, Glaskörper des Auges Sorgt für Elastizität und Druckfestigkeit, schützt Gelenkknorpel
Typ III Blutgefässe, Haut, Lunge, Darmwand Unterstützt Elastizität und Spannkraft der Gefässe und des Gewebes
Typ IV Basalmembranen (z. B. unter Haut und Schleimhäuten) Bildet ein feines Netz, hält Zellen an Ort und Stelle und dient als Filterstruktur
Was bedeutet das für dich?
• Typ I & III: für Haut, Nägel, Haare, Bindegewebe – in den meisten Kollagenpulvern enthalten
• Typ II: für Gelenke und Knorpel – in speziellen Gelenkprodukten aus Hühner- oder Fischkollagen
• Typ IV: wird im Körper selbst gebildet, spielt für Gefäss- und Organgesundheit eine Rolle, ist aber nicht in Nahrungsergänzungen enthalten
3. Wirkung im Körper
Kollagenhydrolysat besteht aus kleinen Peptidketten, die im Darm leicht aufgenommen werden. Studien zeigen, dass diese Peptide im Blut bestimmte Zellen (Fibroblasten und Chondrozyten) aktivieren, die neues körpereigenes Kollagen bilden.
So wirkt Kollagen indirekt: Es liefert nicht einfach fertiges Gewebe, sondern regt den Körper an, seine eigenen Strukturen zu erneuern.
Belegte Effekte laut Forschung:
• Steigerung der Hautelastizität und Feuchtigkeitsbindung
• Unterstützung der Knorpelregeneration und Linderung von Gelenkbeschwerden
• Förderung der Wundheilung und Bindegewebsfestigkeit
Klassische Proteinpulver dagegen haben andere Schwerpunkte:
Sie liefern vor allem Leucin, Isoleucin und Valin (BCAAs), die den Muskelstoffwechsel aktivieren und den Aufbau von Muskelprotein fördern.
Kurz gesagt:
• Proteinpulver: Energie und Muskeln
• Kollagenpulver: Struktur und Stabilität
4. Verträglichkeit und Säure-Basen-Haushalt
Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass Eiweissprodukte den Körper „übersäuern“.
Tatsächlich hängt die Säurebelastung davon ab, welche Aminosäuren enthalten sind.
Schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin und Cystein bilden beim Abbau schweflige Säuren. Diese kommen in Milch-, Fleisch- und Sojaproteinen relativ häufig vor.
Kollagen enthält kaum dieser Aminosäuren, sondern besteht aus neutralen Verbindungen wie Glycin und Prolin. Dadurch ist es nahezu pH-neutral und auch bei empfindlicher Verdauung sehr gut verträglich.
Praktische Tipps zur Entsäuerung:
• Reichlich Gemüse, Kräuter und Obst kombinieren
• Genügend Wasser trinken (mind. 1,5–2 Liter täglich)
• Vitamin C und Magnesium fördern die Säureausscheidung und die Kollagenbildung
5. Tierisches vs. veganes Protein
Die Unterschiede liegen nicht nur in der Herkunft, sondern vor allem in der biologischen Wertigkeit und Aminosäurenverteilung.
Merkmal Tierische Proteine (z. B. Whey, Ei, Milch) Vegane Proteine (z. B. Erbse, Soja, Reis)
Aminosäurenprofil Vollständig, alle essentiellen Aminosäuren vorhanden Teilweise unvollständig, limitierende Aminosäuren müssen ergänzt werden
Biologische Wertigkeit Hoch (Whey = 1,0) Mittel (Soja ca. 0,8, Erbse ca. 0,7)
Verdaulichkeit Sehr gut Je nach Quelle leicht reduziert
Verträglichkeit Kann bei Laktoseintoleranz oder Allergie problematisch sein Gut verträglich, pflanzlich, ballaststoffreich
Nachhaltigkeit Tierische Produktion, höherer CO₂-Fussabdruck Pflanzlich, nachhaltiger, umweltfreundlicher
Tipp:
Kombiniere Erbsen- und Reisprotein, um alle essentiellen Aminosäuren abzudecken. So erreichst du fast die gleiche biologische Wertigkeit wie bei Whey – ideal für Veganer oder bei Unverträglichkeiten. Vitamin C ist unerlässlich für die Bildung von stabilem Kollagen.
6. Fazit
Kollagen ist kein klassisches Eiweiss zum Muskelaufbau, sondern ein gezielter Baustoff für das Bindegewebe. Es sorgt für Elastizität, Festigkeit und Spannkraft – von der Haut bis zu den Gelenken.
Proteinpräparate hingegen liefern die Grundsubstanz für Muskeln, Energie und Stoffwechsel.
Die beste Lösung ist oft eine Kombination: Kollagen für Struktur, Protein für Kraft.
Wenn du Blähungen von Proteinpulver bekommst, schau dir diesen Blog an: Unverträglichkeit von Eiweiss
